Review Mai 2018

Neue Rubrik: Review. Ich will versuchen, hier im Blog halbwegs regelmäßig auf sinnvolle Zeitabstände zurück zu blicken und ein paar Highlights aus der digitalen Welt hervorzuheben.

Mai 2018 war natürlich der GDPR / DSGVO Monat. Die Erinnerung an die unsägliche Cookie Richtlinie hat Sascha Lobo wie immer gut beschrieben, und wie sich das jetzt in der Praxis genau darstellt, werden wir erst in den kommenden Monaten merken – abseits der Schnellfolgen von eingestellten Blogs & Webseiten und US-Seiten, die uns als Europäer nun erst einmal nicht mehr bedienen. In den ersten Tagen ist das Bild denkbar heterogen, und Facebook, Google, Amazon & Co sind auffallend unbeeindruckt, auch wenn Ihnen jetzt allerhand Klagen ins Haus flattern. Ich selbst fand es interessant, in den Einstellungen zu stöbern und zu sehen, wer eigentlich mit welchem Anbieter arbeitet. Großmeister war dabei CBS Interactive – bei cnet.com kommen (potenziell) hunderte Cookies und Tracker zum Einsatz.

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Links sind meine am Smartphone produzierten “Scrollshots” – wirklich mit nur wenigen Überlappungen, die Liste fühlt sich endlos an. Die ganzen eingesetzten Tracker sind der Übersichtlichkeit halber in 22 (!) Kapitel aufgeteilt. Einigen kann man direkt bei CNET die Aktivität untersagen, bei anderen muss man zum Anbieter und in meiner Stichprobe habe ich es kein mal (von drei Mal) geschafft, da irgendwelche Präferenzen einzustellen.

Ein weiteres Highlight des Monats ist der jährliche “Internet Trends” Report, der verehrten Mary Meeker von KleinerPerkins (Download hier). Wieder 300 Seiten mit Berater-Gold: Statistiken, Zahlen, Daten und Fakten, für die man sich sonst ein Bein ausreißen müsste. Auffallend ist, wie groß über die Jahre die China-Sektion geworden ist, und dass in der Einleitung auf das sinkende Wachstum im Digitalgeschäft hingewiesen wird: Die eine Hälfte der Welt ist jetzt online (und die Wachstumsrate nimmt ab). In den letzten 20 Jahren war Wachstum ja quasi allein durch neu hinzukommende Internet-Nutzer garantiert, wenn man nicht alles falsch gemacht hat. Jetzt hingegen wird es schwerer, etwa in Deutschland weiteres Wachstum zu erzielen. Man muss halt anderen Marktanteile wegnehmen – durch Innovation zum Beispiel – oder Generation Z für sich gewinnen: die jungen, in diesem Jahrtausend geborenen Nutzer, die mit einem Internet ohne Keyboard groß werden und bei denen “Lesen / Schreiben” zumindest im digitalen Zusammenhang einen entsprechenden Stellenwert hat.

Schon vor einigen Monaten hat die New York Times bekannt gegeben, dass sie mehr Geld mit digitalen Abonnements als mit Printwerbung umsetzt.  Insgesamt macht man jetzt mit Abonnements über eine Milliarde US Dollar Umsatz, und gut ein Drittel davon kommt von rein digitalen Abos, die obendrein das am schnellsten wachsende Segment sind. Die News aus diesem Monat ist aber, dass sich das nun auch auf das digitale Produkt auswirkt – Werbung ist zwar weiterhin eine wichtige Einnahmequelle, aber bei jedem Besuch eines Nutzers muss ja nun entschieden werden, ob man wie jeder andere Publisher versucht, die Ausspielung von Werbung zu maximieren, oder die Wahrscheinlichkeit eines Abo-Abschlusses erhöht (der dann vielleicht erst nach 10, 20 oder 100 weiteren Besuchen erfolgt). Die wichtigste Seite – die Artikelseite – hat jedenfalls eine Neuordnung bekommen, die sehr stark auf den letzteren Ansatz hinweist.

Ansonsten hatten wir in diesem Monat ja noch die große Google Konferenz, auf der demonstriert wurde, wie virtuelle Assistenten Telefonanrufe machen und auch seltsame Gesprächssituationen meistern.

Ich persönlich glaube ja, dass für die zwei demonstrierten Anrufe 100 andere nicht funktioniert haben, aber es kann ja nicht mehr lange dauern, bis die Dinger auch den Turing Test überstehen (noch hat es nicht ganz gereicht). Für meinen Geschmack rückte die neue Google News App mit dem Versuch, Filter Bubbles zumindest mal anzustechen, viel zu stark in den Schatten dieser Anrufsoftware.

Außerdem gab es diesen Monat noch die verbrieften “Internet Advertising Bureau / IAB” Zahlen des digitalen US-Werbemarktes. Der Gesamtmarkt sind jetzt 88 Milliarden US Dollar, und 57% sind mobil. Videowerbung ist um 33% gewachsen, Social Media Werbung wuchs sogar um 36%. Mehr Details hier.

Eine “honorable mention” muss noch raus an Ben Thompson, einen ultra-intelligenten Strategen, der in Taiwan sitzt und den wunderbaren Blog “Stratechery” betreibt. Keiner erklärt “big digital” in seinen Mechanismen und Funktionweisen besser als er. Diesen Monat gab es die “Moat Map” -> Lesebefehl für alle Digitalstrategen.

 

 

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